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mit John David (vormals Premananda)

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Zur Zeit des Interviews war John David 60 Jahre alt und reiste ständig durch Europa um Treffen zu geben. Er sieht sich selbst als Botschafter der alten Weisheit, die er durch seine indischen Meister Osho, Papaji und Ramana Maharshi sowie durch seine Jahre in Japan vor allem im Zen kennen gelernt hat. Dieses Interview wurde von sechs seiner engsten Schüler im November 2005 geführt.

Was bedeutet Still Sein?

Durch eine Technik wie Zazen oder Vipassana kommst du zu Stille oder Frieden. Ich behaupte aber, dass du ohne irgendeine Technik einfach Still Sein kannst. Wenn du deine Augen schließt und Still Bist, wirst du dir vieler Gedanken und Gefühle bewusst. Nach einiger Zeit bemerkst du Lücken zwischen den Gedanken, kurze Momente der Stille. Wenn du dich auf diese Lücken konzentrierst, sind die Gedanken und Gefühle weit weg, und du wirst dir eines riesigen, ausgedehnten Raumes im Innern bewusst, ohne Grenzen. Still Sein hat die Kraft, dich zu deiner Wahren Natur zu bringen, indem du absolut nichts tust. Wenn du länger in diesem Still Sein bleibst, findest du plötzlich ein großartiges Gefühl von Einssein und Liebe, die einfach da sind, überwältigend präsent. Still Sein ist keine Übung. Es ist nur ein Wegweiser, der dich zu deiner Wahren Natur führt. Deine Wahre Natur ist immer präsent. Wir verlieren sie aus den Augen, weil wir so beschäftigt sind mit dem konditionierten Mind und all den aufregenden Filmen, die er uns bietet.

Kannst du mir einen Rat geben, wie ich Stille in mein Leben bringe?

Wenn du ein absoluter Anfänger bist, dann ist wahrscheinlich der erste Schritt eine spirituelle Praxis, die deinen Mind beruhigt; So etwas wie Meditation, Atemarbeit oder Mantrasingen. Wenn du diesen ruhigen Mind erreicht hast, dann kommt ganz von selbst eine größere Sehnsucht in dir auf, die Stille kennen zu lernen.

Selbsterforschung kann dir helfen, in diese Stille zu kommen. Während du durch dein tägliches Leben gehst, was auch immer du denkst oder tust, frage einfach: In wem steigen diese Gedanken auf oder Wer tut das? Die Antwort ist natürlich Ich. Dann frage: Wer ist dieses Ich, wer bin ich? Diese zweite Frage (intellektuelle Antworten helfen nicht) bringt dich zurück nach innen zur Quelle, und die Quelle ist Stille. Selbsterforschung ist eine ständige Erinnerung daran, dass du dich von deinen Gedanken und Dramen lösen kannst und zurück zur Quelle dessen gelangen kannst, nämlich der Stille.

Gibt es eine bestimmte Premananda-Lehre?

Ich sehe da keine besondere Premananda-Lehre. Die Dinge, die in den Satsangs gesagt werden, sind eher als Botschaft zu verstehen. Seit zwanzig Jahren habe ich eine starke Verbindung mit Ramana Maharshi. Ich habe fünfzehn Jahre mit Osho und fünf Jahre mit Papaji verbracht. Diese drei Menschen waren Boten der alten Indischen Weisheit, und jetzt sehe ich mich selbst als Bote dieser Weisheit, wenn ich durch Europa reise.

Natürlich habe ich meine eigene einzigartige Weise zu erklären und den Kanal für diese Botschaft zu kreieren. Etwas Einzigartiges an Premananda ist, dass ich eine Anzahl von verschiedenen Intensivwochenenden entwickelt habe, die eine Gelegenheit bieten, sich verschiedene Aspekte der Reise anzusehen.

Kannst du erklären, wie Menschen sich selbst sabotieren?

Ich habe viele Meetings gegeben und bin wahrscheinlich tausenden von Menschen in Europa begegnet. Sehr oft kommen Leute voller Entusiasmus und sehr offen zu ein oder zwei Meetings. Und vielleicht bekommen sie einige Informationen oder neues Wissen dazu, und sie haben das Gefühl, dass es für sie reicht. Vielleicht haben sie auch Urteile über den Lehrer oder sind gar nicht so an dem Thema selbst interessiert.

Andere lassen sich mehr auf die Arbeit ein und werden durch den Kontakt mit dem Lehrer tiefer berührt. Wenn diese Leute sich einem tiefen Verstehen, dem Erwachen, nähern, passiert es sehr oft, dass man sie dann nicht mehr sieht.

Wenn du dem Erwachen sehr nahe kommst, dann bist du damit konfrontiert, dass alles, was du glaubtest zu sein, einfach nicht wahr ist. Wenn du anfängst, diese Illusion zu sehen und zu verstehen, dann beginnst du auch zu sehen, dass das eine Art Tod ist. Da ist eine Angst: wenn du wirklich tief loslassen würdest, würde sich vieles verändern; Du würdest alles verlieren, was du für dich selbst hältst, oder alles was im Außen ist. Da ist die Vorstellung, dass du vielleicht nicht in der Lage sein wirst, deine Wohnung, deinen Job und deine Familie zu behalten. Diese tiefe Angst ist ein natürlicher Teil des konditionierten Mind. Wenn man also diese Angst hat, ist das auch ein Zeichen, dass die Person dem wahren Verstehen nahe gekommen ist.

Menschen gehen oft von Satsang zu Satsang, ohne sich je auf einen Meister einzulassen oder sich ihm hinzugeben. Ich würde vorschlagen, sich absolut einem Meister hinzugeben. Wenn es dich interessiert, dann geh und sitze auch in anderen Satsangs und genieße die Unterstützung, die sie dir geben, aber mache deine hauptsächliche spirituelle Arbeit mit demjenigen, der ganz natürlich in dein Leben kam als dein Meister. Stelle dich dem, was es bedeutet, dich diesem einen Meister hinzugeben und gehe wirklich tief mit ihm. Das, was tiefes Verstehen verhindert, ist eine Anhaftung an eine Geschichte, die nur jemand im Außen widerspiegeln kann. Deshalb ist es sehr wichtig, eine genügend tiefe Verbindung mit einem Meister zu haben, so dass er dir widerspiegelt, was ein klares Verstehen für dich verschleiert.

Was bedeutet Erwachen?

Ich benutze das Wort Erwachen für einen Aha-Moment, und in diesem Aha- Moment siehst du ohne jeden Zweifel, dass du niemals die Geschichte warst, Mein Leben. Du siehst, dass diese Geschichte, Mein Leben, tatsächlich eine völlige Illusion war, die im konditionierten Mind erschaffen wurde und keine Realität hat. Normalerweise geschieht das sehr plötzlich und unerwartet. Da ist dieser Einblick, Aha! Und in dem Moment fällt die ganze Illusion einfach in sich zusammen, und du findest dich einfach in der Stille, im Nichts, im No- Mind, im Selbst wieder. Ich würde so einen Moment ein Erwachen nennen. Es ist ein Erwachen aus der Illusion.

Was geschieht nach dem Erwachen?

Das ist sehr individuell. Man könnte sagen, dass es oft nach diesem Aha- Moment eine Art heiße energetische Phase von ein paar Stunden, Tagen, vielleicht Monaten gibt. Manche Menschen können einfach nicht sehr gut funktionieren während dieser Zeit. Sie möchten gerne still sein und allein. Normalerweise ist diese heiße Phase innerlich sehr ekstatisch. Es kann innen etwas ganz ander es passieren als es von außen scheint.

Dann wird alles kühler und gewöhnlicher. Man könnte sogar sagen, dass es sehr gewöhnlich wird. Aber es gibt einen großen Unterschied, denn obwohl jetzt alles irgendwie gewöhnlich ist- Bäume sehen immer noch aus wie Bäume, Autos sehen immer noch aus wie Autos- scheint plötzlich doch alles ein Bisschen weiter weg zu sein. Nichts ist mehr so nahe. Du bist nur der Beobachter eines Filmes und der Film berührt dich nicht mehr wirklich; du fühlst dich mit den Geschichten nicht verbunden.

Nach dieser ersten heißen Phase, wo vielleicht für einige Zeit absolut kein Mind ist, wird es kühler. Dann kommen ein paar vertraute alte Strukturen zurück, aber mit einer Distanz, so dass du nicht so daran angehaftet bist. Du wirst dir dieser Strukturen bewusst, nicht als meine Strukturen, sondern einfach als Strukturen (Vasanas auf Sanskrit). Anscheinend geht einfach durch die Bewusstheit über die Strukturen der Biss verloren und sie verschwinden.

Zwischen dem Erwachen und der Freiheit gibt es eine Bewegung. Ich würde Erwachen als einen Moment des Verstehens definieren, dass man nicht diese Geschichte, Mein Leben, ist, dass sie immer nur eine Illusion war, und Freiheit als einen Moment, in dem diese Strukturen sich wirklich beruhigt haben und zum größten Teil verschwunden sind. Dann ist Freiheit Dasein in der Gegenwart, von einem Moment zum Nächsten. Du bist frei von diesen alten Strukturen, die nur eine Konditionierung sind. Du lebst einfach in der riesigen Weite der Stille und das Leben entfaltet sich. Das bedeutet nicht, dass jeder Augenblick voller Glückseligkeit ist. Es bedeutet, dass du einfach da bist, präsent, und dich mit dem Leben beschäftigst, wenn du ihm gegenüber stehst, wenn du ihm begegnest.

Can I still function in the world after Awakening?

In der heißen Phase und als direkte Nachwirkung eines Erwachens kann es passieren, dass du nicht funktionieren kannst. Aber sehr schnell ändert sich das, und du kannst sehr gut funktionieren, sogar besser, weil du nicht mehr diese Last von alten Geschichten mit dir herumträgst, und weil du jedem Moment frisch, spontan und offen begegnest.

Also gibt es überhaupt kein Problem, in der Welt zu funktionieren, aber vielleicht willst du gar nicht mehr so sehr in der Welt funktionieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es nach dem Erwachen Veränderungen gibt, sogar große Veränderungen in deiner Lebensweise, weil da weniger Interesse an Beziehungen ist oder daran, in einer Situation zu arbeiten, die du nie wirklich mochtest. Also lässt du das los, und etwas anderes passiert.

Kann man Erwachen und trotzdem eine Freundin haben? Can you Awaken with a girlfriend?

Also, hier handelt es sich um zwei Fragen.

Vor dem Erwachen geht es nur darum, die Geschichte zu sehen und frei davon zu werden. Wenn du eine Freundin hast, dann hast du deine Geschichte und die Geschichte deiner Freundin und dann noch die Geschichte eurer Beziehung. Plötzlich sind da drei Geschichten, man könnte also sagen, dass es komplizierter ist, wenn man in Beziehung ist.
Nach dem Erwachen ist es ziemlich einfach, eine Freundin oder einen Freund zu haben, weil du dann nicht mehr an die Geschichte von Freundin oder Freund angehaftet bist. Das wird wahrscheinlich einfach wegfallen, aber das Sich-Beziehen wird einfacher. Vielleicht wirst du mit vielen Menschen in Beziehung sein, sogar auf eine tiefe, intime Weise, aber nicht mehr in der alten Weise des Beziehungsdramas.

Wahrscheinlich leben die meisten Menschen, die erwacht sind, alleine. Vielleicht hat sich das in den letzten Jahren verändert, weil immer mehr Westler daran interessiert sind, und Westler haben einen stärkeren Drang, sich auf jemanden zu beziehen. In der Tradition des Ostens lebten Menschen, die auf dem spirituellen Weg waren, eher im Zölibat, und so waren sie weniger in Beziehungen involviert.

Having said all that, there is an exception. Wenn beide Partner an der Wahrheit interessiert sind, wenn Erwachen die erste Priorität in der Beziehung ist, und wenn beide Partner sich gegenseitig unterstützen und spiegeln, dann kann es auch hilfreich sein, eine Freundin zu haben.

Also kann ich eine Freundin dazu benutzen, zu Erwachen?

Wenn du sehr klar bist, ja, dann könntest du deine Freundin dazu benutzen, zu Erwachen. Aber es gibt immer die Gefahr, dass du dich so an die Freundin anhaftest, dass sie dich von deinem Interesse am Erwachen wegtreibt.

Eine der meistverbreiteten Arten, wie Menschen sich selbst sabotieren, ist, kurz vor dem Erwachen, wenn sie anscheinend dem Verstehen sehr nahe gekommen sind, plötzlich zu entscheiden, dass die neue Freundin oder der neue Freund viel wichtiger ist als dieses Erwachen, und dann verschwinden sie und tauchen in diese neue Beziehung ein.

Die traditionelle Empfehlung im spirituellen Leben im Osten ist, im Zölibat zu leben. Zölibatär zu sein heißt nicht nur, keinen Sex zu haben, sondern auch keine Beziehung. Im Westen wäre dazu fast niemand bereit, also ist mein eigener Rat, Single zu bleiben und sich von dort aus zu beziehen anstatt sich in einer dramatischen Geschichte mit jemandem zu verfangen.

Was ist dann das Wichtigste für das Erwachen?

Erwachen kommt von keiner Lehre. Erwachen kommt durch Gnade. Es passiert einfach. Das Wichtigste ist, dich so verfügbar wie möglich für die Gnade zu machen. Still sein, zu Satsangs gehen, einen Meister haben, Freunde haben, die sich auch dafür interessieren, diese Dinge geben dir die beste Chance, dass die Gnade geschieht. Aber diese Gnade kann auch einfach spontan für ganz unbedarfte Menschen geschehen.

Viele Menschen haben Vorstellungen von Perfektion, die sie dann auf den Lehrer projezieren. Wie kann man wissen, wer der richtige Lehrer ist?

Die meisten spirituell Suchenden halten Ausschau nach einem Meister, der ein bisschen besonders ist, ein wenig anders als sie selbst. Meister, die in wunderschöner Kleidung erscheinen, aus glänzenden Wagen aussteigen und auf marmornen Bühnen stehen, haben eine bestimmte Ausstrahlung, weil sie aussergewöhnlich zu sein scheinen. Wenn es geschieht, dass du deinem eigenen Meister begegnest, dann passiert das einfach, denke ich. Wenn die innere Sehnsucht so intensiv wird, dann taucht aus der Existenz heraus der Meister plötzlich auf. Innerlich weisst du dann einfach, dass dies dein Meister ist. Er mag vielleicht nicht perfekt genug sein, er entspricht vielleicht nicht deinen Vorstellungen, wie ein Meister sich verhalten sollte, aber innerlich fühlst du eine tiefe Verbindung. Selbst wenn der Verstand ihn beurteilt und findet, dass er nicht deinem Ideal entspricht, so ist doch innerlich ein Wissen da, dass dies die Person ist. Das ist die Art und Weise wie es passiert, denke ich. Wenn er ein guter Meister ist, wird er niemals deine Vorstellungen darüber erfüllen, wie er sein sollte, weil er natürlich sein Leben authentisch so lebt, wie er fühlt, und das wird natürlich nicht so sein, wie irgendjemand anders ihn gerne hätte.

Heißt das, wenn ich meinen Meister als absolut perfekt empfinde, er nicht der richtige Lehrer für mich ist?

Das, was dabei wirklich interessant ist, ist zu sehen, was dir an dem Meister immer wieder aufstößt. Welche Unvollkommenheit an ihm ärgert dich am allermeisten? Ich erinnere mich daran, dass es für mich am Anfang mit Papaji sehr schwierig war, denn ich war Osho gewohnt, der in einer Rolls Royce Stretchlimousine vorfuhr, auf einer Bühne aus Marmor stand und eine wunderschöne Robe trug. Und plötzlich war da Papaji, der in einem Lieferwagen ankam, tättowierte Arme hatte, ein altes ungebügeltes T-Shirt trug und auf einer Erhöhung aus Holz saß. Zu Anfang fand ich ihn lange nicht so perfekt wie meinen ersten Meister. Aber natürlich sah ich ziemlich schnell, dass das nur meine eigene Vorstellung war, und es war mir möglich, diese los zu lassen. Es war eine ziemlich lächerliche Vorstellung.

Wenn man einen Meister gefunden hat, wie soll man sich am besten verhalten, um den größten Nutzen zu erreichen?

Da gibt es keinen Zweifel. Wenn du dich wirklich nach der Wahrheit sehnst und wenn du das Glück hast, deinen Meister zu finden, dann ist der beste Rat, so viel Zeit wie möglich mit diesem Meister zu verbringen. Iss mit ihm zu Mittag, wasche seine Kleider, finde jede Möglichkeit, ihm zu dienen und mit ihm zu sein.
Das ist vielleicht für viele Menschen nicht so praktisch. Dann würde ich vorschlagen, dass du diesen Meister so oft wie möglich besuchst, so regelmäßig, dass er immer in dir präsent ist. Wenn du dann an diesen Meister denkst, dann wird die Antwort für jede Frage, für jede Situation, einfach kommen. Wenn du dich an den Meister erinnerst, erinnerst du dich eigentlich an deine eigene Wahre Natur, und so ist das eine ständige Erinnerung, auf dem Weg zu bleiben. Auf viele Arten ist der Meister ein Erinnerer.

Was bedeutet es, sich einem Meister hinzugeben?

Anfangs, wenn die Sehnsucht sehr stark ist, und du zu einem Meister hingezogen wirst, dann bedeutet Hingabe, dich vor diesem Meister zu verneigen, den Meister anzunehmen. Verneigen heißt nicht unbedingt eine körperliche Verneigung im Außen. Es bedeutet, sich innerlich in diese Beziehung mit dem Meister hinein fallen zu lassen, diese Beziehung mit dem Meister zu akzeptieren. Diese Person als deinen Meister anzunehmen ist die Bedeutung von Hingabe. Aber es gibt noch eine tiefere Bedeutung, und diese tiefere Bedeutung ist, dass der Meister das Selbst ist. Wenn du dich also dem Meister hingibst, dann gibst du dich nicht der Persönlichkeit des Meisters hin, du gibst dich dem Selbst hin. Das Selbst des Meisters und dein Selbst sind dasselbe Selbst. Auf einer tieferen Ebene bedeutet Hingabe also eigentlich Hingabe an deine Wahre Natur.

Du bist fünf Jahre lang bei Papaji, deinem Meister, geblieben. Bist du mit ihm Essen gegangen und hast seine Kleidung gewaschen?

Ich selber bin nicht mit ihm essen gegangen und habe auch nicht seine Kleidung gewaschen, weil das schon andere Leute gemacht haben. Aber nach dem ich schon zwei oder drei Monate bei ihm war, hatte ich eine Begegnung mit ihm. Er sagte zu mir: " Du kannst ein Gästehaus eröffnen für die Leute, die zu mir kommen." Er hatte mich darum gebeten, und so tat ich das, mehr als vier Jahre lang. Ich führte ein großes Gästehaus, so dass die Leute, die ihn besuchen kamen, irgendwo wohnen konnten. Es wurde zu einer Priorität in meinem täglichen Leben. Jeden Abend war ich als Gastgeber bei dem Abendessen anwesend. Ich sah meine Rolle darin, mich um die Gäste zu kümmern.

Ich weiß nicht, welche Absicht Papaji damit hatte, aber für mich persönlich war das Ergebnis, dass ich mich ständig in einer Art Labor befand. Jeder Gast gab mir die Möglichkeit zu erkennen, was sich in Premananda so verbirgt!

Ich diente Papaji auch noch auf andere Weise. Ich leitete eine zeitlang seinen Buchladen. Und einmal borgte ich Papaji meine Katze. Das war eine ziemlich lustige Geschichte. Weißt du, es sind so unterschiedliche Dinge passiert. Aber grundsätzlich schien es, das es meine Rolle war, ein Gästehaus zu leiten.

Bedeutet das also, dass das Dienen wichtiger ist als tatsächlich physische Anwesenheit?

Ich denke, das ist von der jeweiligen Person abhängig. Ich glaube, manche Leute brauchen den regelmäßigen, direkten Kontakt, und bei anderen geht es mehr um das Dienen.

Dein Tourplan ist ziemlich voll und du bist fast das ganze Jahr über unterwegs, aber gleichzeitig hast du seit letztem Jahr eine Satsangcommunity auf einer Farm in Deutschland. Wie passen diese beiden Sachen zusammen?

Ich kam vor drei Jahren nach Europa und bin seit dem sehr viel unterwegs. Ich begann in Deutschland, aber mittlerweile reise sich auch in die meisten der anderen europäischen Länder. Vor genau einem Jahr ist diese Satsangcommunity ziemlich spontan und völlig unerwartet aus einem Sommerretreat heraus entstanden. Und jetzt, ein Jahr später, sind wir etwa fünfzehn Menschen, die zusammen auf einer Pferdefarm leben, und ich starte meine Satsangtour von dort aus.

Im Augenblick verbringe ich nicht so viel Zeit dort. Meistens bin ich unterwegs, aber der Kontakt zur Gemeinschaft ist immer da, weil immmer drei oder vier Menschen aus der Community mit mir reisen. Über das Jahr verteilt, wechseln diese Leute, so dass jeder mal die Möglichkeit hat, auf der Satsangtour dabei zu sein. So sind die Gemeinschat und die Tour auf eine Art tief miteinander verbunden.

Es gibt auch ein Satsangbüro in der Community, dass die verschiedenen Meetings und Retreats vorbereitet und organisiert. Dieses Organisieren, das die Community leistet, ist eine unglaublich große Unterstützung für die Satsangtour. Auch gibt es hier auf der Farm einen wunderschönen Satsangraum in einer schönen, alten Scheune. Darin ist wahrscheinlich Platz für etwa 200 Leute. An Ostern und im Sommer finden dort Satsangretreats statt, und zwischen meiner Tour auch Retreatwochen in der Community. Menschen, denen ich auf meiner Reise begegne, können die Community besuchen kommen, wenn ihr Interesse groß genug ist. Dann sitzen wir zusammen Satsang, und sie könne sich entscheiden, ob sie daran interessiert sind, in der Gemeinschaft zu leben.

So passen die Tour und die Community sehr gut zusammen, und sie bieten dadurch eine wunderbare Möglichkeit für Menschen, die wirklich heiß sind auf das Erwachen oder die ihr Erwachen beibehalten wollen. Das Ganze ist ziemlich neu, und ich weiß nicht, wie sie sich entwickeln wird, diese Gemeinschaft, aber sie scheint eine Art Zufluchtsstätte oder Rückzugsort anzubieten, wo Menschen mehr die Möglichkeit haben, mit sich zu sein. Man hat mehr die Möglichkeit, seine Geschichten zu sehen, weil die Leute um einen herum kein großes Interesse an diesen Geschichten haben. Von diesen fünfzehn Leuten die dort wohnen, sind vier erwacht.

In der Broschüre über die Open Sky Satsang Community steht, dass der einzige Zweck der Community das Erwachen ist. Kannst du darüber etwas sagen?

Es geht darum, Erwachen zu unterstützen, und wenn das Erwachen geschehen ist, Freiheit zu unterstützen. Dies ist ein Ort für die wenigen Menschen, die wirklich Erwachen möchten , oder die Erwacht sind und einen Wert darin sehen, mit einer Gruppe von Menschen zu leben, die dieses Erwachen erhalten möchten. Man könnte sagen, diese Community ist eine kleine Oase, in der Menschen Raum und Unterstützung finden, zu Erwachen oder das Erwachen zu erhalten, und beide Dinge geschehen auch in der Community.

Das ist der Hauptzweck der Community, und alles andere ist weniger wichtig. Wir haben keine Regeln. Da ist ein Gefühl, vegetarisch zu leben, aber es gibt keine Regel, die sagt, dass du Vegetarier sein musst, und deshalb essen einige Menschen Fleisch. Da ist der Vorschlag, als Community täglich zusammen zu meditieren, aber manche Leute kommen nicht. Wir wollen keine Institution werden. Wir möchten diesen Ort ein bisschen chaotisch halten, ein bisschen intensiv und voller Spaß. Da wir in Deutschland sind, ist das ein bisschen bemerkenswert. Ich sollte auch sagen, dass es wahrscheinlich überhaupt nur in Deutschland möglich ist, diese Community so aufrecht zu erhalten. Das Essen, das Einkaufen, das tägliche Waschen und Putzen und Satsang unterstützen, das ergibt ein sehr intensives Leben.

Wir sind von dem Leben in der Community nicht getrennt. Die normalen alltäglichen Arbeiten finden weiterhin statt. Es ist keine esoterische Community, die weit weg vom normalen Leben ist. Sie ist mitten im Leben. Aber erwachte Menschen sind auch einfach mitten im Leben. Es ist eine schöne Vorstellung, dass Erwachte Menschen irgendwie nicht ganz menschlich seien, aber das ist nicht wahr.

Gibt es Kinder in dieser Community?

Ja. Im Moment haben wir vier Kinder und zwei Babies. Früher hatten wir auch noch eine 90jährige Großmutter. Es ist einfach ein Stück Leben, das hier passiert. Die Kinder haben ihren eigenen Raum, aber sie benutzen gerne auch alle anderen Räume. Diese beiden Babies zu haben war ein unschätzbares Geschenk für alle.

Ist es auch für Mütter möglich, zu erwachen?

Also, ich erinnere mich als ich früher bei Osho war, vor ungefähr dreißig Jahren, da gab es eine Frage, die war so ähnlich. Die Frage war: "Können Frauen erwachen?" Vor dreißig Jahren gab es so etwas wie eine allgemein verbreitete Vorstellung, dass Erwachen nur etwas für Männer sei, weil alle Meister Männer zu sein schienen. Vielleicht war es Oshos Unterstützung, mit der Frauen sehen konnten, dass sie auch erwachen können. Es ist absolut klar, dass jeder erwachen kann. Das Erwachen ist an keine Bedingung geknüpft. Also kannst du mit oder ohne Sex erwachen. Du kannst erwachen, wenn du ein Kind hast oder wenn du kein Kind hast. Du kannst erwachen während du in der Welt arbeitest. Du kannst in einer Höhle sitzend erwachen. Es hängt von nichts im Außen ab. Und andererseits ist es auch wahr, dass manchmal Mütter auf egoistische Weise sehr mit ihrem Kind verstrickt sind und so ist die Anhaftung an die Geschichte für eine Mutter mit Kind vielleicht größer als für jemanden, der einfach Single ist. Es ist nicht so, dass eine Mutter mit Kind nicht erwachen kann. Hier in dieser kleinen Gruppe haben wir zwei Mütter, die erwacht sind.

Kleine Kinder erinnern dich an die Präsenz. In diesem Sinne ist es eine Unterstützung, ein Kind zu haben, denn das Kind ist eine beständige Erinnerungshilfe, präsent zu sein. Leider verwickeln sich viele Mütter in das Drama, das zwischen Kind und Mutter entsteht. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, mit der er zurechtkommen muss, und das ist oft schon schwierig genug. So gibt es bereits zwei Geschichten plus die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Wie in der Beziehung zwischen Mann und Frau, sind es dann plötzlich drei Geschichten. In dem Sinne ist es vielleicht schwieriger, klar zu werden.

Wie wichtig ist Priorität für das Erwachen?

Papaji sagte immer, dass die Wahrheit der letzte Wunsch sei. Und dann würde er es genauer beschreiben und sagen, dass sie nicht wirklich ein Wunsch sei, sondern eine Sehnsucht. Er sagte immer, dass alle anderen Wünsche wegfallen müssten, bevor es wirklich möglich wäre zu erwachen. Erwachen ist wie die letzte Sehnsucht. Und wenn es die letzte Sehnsucht ist, ist es damit auch die erste Priorität. Es scheint sehr wichtig zu sein, dass der Focus und die innere Sehnsucht auf die Wahrheit gerichtet sind. Wenn das nicht so ist, wird mit Sicherheit etwas dein Interesse ablenken: eine neue Freundin, ein neuer Freund, was auch immer. Deshalb würde ich sagen, die Sehnsucht nach der Wahrheit ist die wichtigste.

Du hast viele Jahre mit zwei indischen Meistern in Indien gelebt. Nun bietest du Satsang in Europa an. Was ist der Unterschied?

Als ich mich vor 30 Jahren dafür interessiert habe, die Wahrheit zu suchen, schien es notwendig zu sein, dafür in den Osten zu reisen. Ich begann in Japan, weil ich an Zen interessiert war. Und als ich dort war, kam ein Kontakt zustande, der mich zu einem indischen Ashram führte. Also in meinem Fall kam ich nach Indien über Japan. Wenn ich jetzt dreißig oder vierzig Jahre zurückschaue, würde ich sagen, dass die meisten Menschen, die an der Wahrheit interessiert waren, in den Osten gereist sind. Sie gingen nach Tibet, Indien, Japan wegen dem Zen Buddhismus, oder sie gingen nach Thailand wegen dem Buddhismus. Es gab einen Wunsch, in den Osten zu reisen, denn es gab nicht so viele westliche Lehrer. Es gab Gurdjieff und krishnamurti, aber die waren eher einzigartig. Ich nehme mal an, dass etwas zur gleichen Zeit viele Lehrer aus dem Osten in den Westen reisten. Als die Chinesen Tibet besetzten, verließen viele tibetische Lamas und Lehrer Tibet und reisten durch die Welt und fanden einen neuen Platz. Zu vielen dieser tibetischen, spirituellen Weisheiten hat man nun im Westen leichten Zugang. Auch viele indische Meister reisten in den Westen. Und eine Anzahl westlicher Lehrer, die im Osten waren, lehren nun im Westen. Aber heutzutage, wenn man ein junger Mensch aus dem Westen ist, der an der Wahrheit interessiert ist, dann braucht man nicht mehr unbedingt in den Osten zu reisen. Die Situation hat sich also sehr verändert, seit ich vor dreißig Jahren mit der Suche begonnen habe.

Die Lehren kamen aus dem Osten, deshalb gibt es den Reiz, zu dem Ursprung der Lehren zu gehen und mit diesen Traditionen in Berührung zu kommen. Es gibt also diesen Wunsch, Zen in Japan kennenzulernen, und Buddhismus in Thailand oder Hinduismus und Vedanta in Indien. Ich denke, viele Menschen fühlen immer noch den Wunsch, dort hin zu reisen. Aber heutzutage gibt es viele gute Lehrer aus dem Westen, die durch den Westen reisen und die westlichen Sprachen sprechen. Die Lehrer aus dem Westen sind auch mehr im Einklang mit der Kultur und Tradition aus dem Westen. Das kann von Vorteil sein.

Es hat etwas Schönes, in die Länder des Ostens zu reisen, denn dort ist der Fokus auf die Hingabe im täglichen Leben so ein großer Teil der Tradition, dass es eine wunderbare Unterstützung ist.

Einfach nur wenn du in Indien aus dem Flugzeug steigst, spürst du sofort so etwas wie eine Energie der Hingabe und das öffnet etwas in den Menschen aus dem Westen, denn wir haben diese Tradition der Hingabe im Westen nicht. Also, ich würde sagen, es ist eine wunderbare Sache, eine Pilgerreise in einige östliche Länder zu machen. Viele der Lehrer aus dem Westen gehen mit ihren Schülern in östliche Länder.

Auch hat sich die Weltlage in den letzten dreißig oder vierzig Jahren verändert, so dass sie jetzt mehr wie ein globales Dorf ist, auch die Trennung zwischen Ost und West verändert sich. Materiell gesehen ist der Osten technologisch beinahe genauso fortgeschritten wie der Westen, und der Westen wird immer spiritueller. Was wie ein natürlicher Prozess erscheint, geschieht tatsächlich Jahr für Jahr. Die Menschen aus dem Westen, die eine bestimmte Ebene des materiellen Reichtums erreicht haben, bekommen immer mehr Interesse an der spirituellen Tradition des Ostens, und die Menschen aus dem Osten haben oder sind dabei, den materiellen Wohlstand des Westens zu erreichen. Länder wie Indien und China, zumindest in der Mittelschicht, sind dabei, sehr modern, sehr materialistisch zu werden und verlieren ein bisschen den Kontakt zu ihrer spirituellen Tradition. Im Westen empfinden die Menschen eine Leere. Sie haben alle materiellen Besitztümer, die sie sich vorstellen konnten und was nun? Ihr Leben erscheint ein wenig leer und das bringt sie dazu, nach innen zu schauen und ihre wahre Natur zu finden.

Du hast darüber gesprochen, sich dem Lehrer hinzugeben. Bedeutet das, immer das zu tun, was der Lehrer von dir verlangt?

Grundsätzlich verlangt der Lehrer gar nichts von dir.

Aber oftmals gibt er dir irgendwelche Aufgaben zu erledigen.

Ja, er mag dir eine Aufgabe geben, weil es im Fluss des Lebens notwendig erscheint oder vielleicht denkt er auch, dass diese Aufgabe für dich nützlich sein wird. Wenn das der Fall ist, dann wäre es hilfreich, ja zu sagen, auch wenn an diesem Ja etwas Unbequemes ist. Die ganzen Bemühungen des Meisters gehen da hin, dass du erwachst. Nur daran ist er interessiert. Also, wenn er dich darum bittet, etwas zu tun, dann geschieht das im Sinne des Erwachens, auch wenn es nicht danach aussieht und sogar auch, wenn du einen Widerstand dagegen spürst. Die ganze Bemühung besteht darin, dass du erwachst und dieses Erwachen dann lebst. Wenn du einen starken Widerstand gegen das hast, worum dich der Lehrer bittet, schaue, um was es bei dem Widerstand geht, weil dieser Widerstand dich davon abhält, wahrhaftig zu sein. In der Wahrheit gibt es keinen Widerstand, denn du weisst, dass es unwichtig ist, was du im Aussen tust. Du bist die reine Bewusstheit dessen, was du tust und es ist nicht wirklich wichtig, was der Körper im Aussen macht, weil du die reine Bewusstheit dessen bist.

Es scheint mir, als hättest du einen harten Job. Warum machst du das eigentlich? Denn ich denke, manche Menschen sind wirklich im Widerstand.

Also, derjenige, der am meisten davon profitiert, ist der Meister. Wenn du es so betrachtest, ist es gar nicht so ein harter Job. Das andere, was mir auffiel, ist, dass in den Momenten, in denen die persönliche Entscheidung die gewesen wäre, aufzuhören, weil es einfach zu anstrengend war, meistens etwas wirklich Schönes passiert ist. Ich kann mich an viele Beispiele erinnern, wo es so aussah, als wäre es nun wirklich genug, und dann geschah plötzlich etwas tief Berührendes mit jemandem, und dann konnte ich sehen, ich kann nicht aufhören. Es ist ganz komisch, denn ich denke, es sind nun etwa acht Jahre, seitdem ich begonnen habe, Satsang zu geben, und in diesen acht Jahren gab es noch nicht einmal eine Woche, in der nicht irgendeine Art Satsang stattfand. Man könnte sagen, er hat sein Eigenleben. Da ist niemand, der etwas macht. Man hat nicht wirklich eine Wahl.

Es hat auf seltsame Art angefangen. Ich lebte in Australien und hatte ein Reiki-Wochenende. Am Samstag Mittag ging ich spazieren und ich sah ein Straßenschild. Darauf stand: "Crystal Avenue" und das erinnerte mich an etwas, dass ich Papaji geschrieben hatte. Dadurch entstand eine Verbindung zwischen mir und Papaji. Plötzlich war es, als käme im Inneren eine Faxnachricht an. Aus dieser Verbindung zu Papaji heraus kam eine ziemlich lange Botschaft, die besagte, dass ich etwas zu erledigen hatte. Das hat sich ziemlich komisch angefühlt und ich habe es nicht so wirklich ernst genommen. Später am Tag gab ich einige Reiki- Einweihungen, und wieder kam die Botschaft, dass das meine Einweihung war und nicht, dass ich die Schüler einweihte.
Am nächsten Tag geschahen noch andere Dinge. Im Ganzen waren es drei Botschaften. Als ich in Lucknow bei Papaji war, bekam ich oft solche Botschaften, wenn ich nicht physisch in seiner Nähe war. Da gab es so eine Art innere Botschaft oder inneres Wissen. Es ist schwer, es wirklich zu beschreiben. Ein oder zwei Wochen später bekam ich einen Anruf von einem Freund, der mir sagte, dass Papaji gestorben sei. Dass hatte ich nicht gewusst. Und als wir die Zeit verglichen als er starb mit der, als ich die Botschaft erhielt, war beides am gleichen Wochenende geschehen. Unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung zwischen Indien und Australien war es fast zur gleichen Zeit.
So bekam ich einen anderen Bezug zu diesen Botschaften. Durch sie fing ich an, Satsang zu geben. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich persönlich dazu entschieden habe.

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