Aham Sphurana

Eine Auswahl von Lehren

aus

Sri Gajapathi Aiyyers unveröffentlichem 1936 Tagebuch

Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Das Herz

F.: Führt das innerliche Chanten von “A-HAM” [Selbst] zur Verwirklichung des Selbst?
B.: Während du chantest, richte deine Aufmerksamkeit auf die Quelle des Japam [Wiederholen eines Mantras] in dir. Das heißt, untersuche, woher das Japam in dir kommt, und halte deine Aufmerksamkeit ausschließlich auf diese Quelle gerichtet.


F.: Bhagavan meint die rechte Seite der Brust – habe ich recht?
B.: Verfolge das Gefühl des “Ichs” oder das Japam zurück, bis es sich dort auflöst. Wenn du dich auf diesen Punkt im Körper konzentrierst, kann das für eine Weile dazu führen von Gedanken frei zu sein. Wenn du nach Verwirklichung strebst, muss der Verstand in das Herz zurückgeführt werden. Seine Aufmerksamkeit auf etwas zu richten oder sich auf etwas zu konzentrieren, ist mentale Aktivität. Nur das Verringern oder Anhalten der mentalen Aktivität enthüllt das Herz.
       Wenn man aufgefordert wird, in das Herz zurück zu schmelzen, aus dem man gekommen ist, bedeutet das nicht, dass dies durch “Tun” erreicht werden soll. „Tun” bedeutet, den Verstand zu benutzen oder ihm zu erlauben, zu agieren, das heißt, ihn zu ermutigen, sich vom Herzen zu entfernen. Nicht zu “tun” bedeutet, den Verstand nicht daran zu hindern, dauerhaft vom Leuchten des Herzens verschlungen zu werden. Du brauchst nicht zu versuchen, dem Verstand zu helfen, das Herz zu erreichen.

Alles, was du versuchst, um dem Verstand das Versinken in das Herz zu erleichtern, wird den Verstand nur noch weiter vom Herzen weg treiben. Es gibt nur einen Weg, das Herz wirklich zu erreichen, und das ist der Verzicht auf das Reich des Tuns, ein für alle Mal. Gib es auf, irgendetwas mit dem Verstand tun zu wollen. Halte den Geist vollkommen wach und aufmerksam, aber vollkommen unbeweglich und still.
           Die Anstrengung oder der Wille, bewegungslos zu bleiben, ist ebenfalls Bewegung. Wenn der Geist auf unbestimmte Zeit in Jagrat-sushupti [Wachschlaf] gehalten wird, versinkt er automatisch im Herzen und löst sich dort ein für alle Mal auf, wie eine Salzpuppe, die in den Ozean geworfen wird. Anstatt sich also auf die rechte Seite des Brustkorbs zu konzentrieren, sollte man die Quelle des Verstandes suchen und daraufhin praktisch herausfinden, dass sie sich auf der rechten Seite des Brustkorbs befindet.
          Die Leute fragen, welche Sadhana man machen sollte, um den Verstand ruhig zu halten. Was soll man auf diese Frage antworten? Stille ist der natürliche Zustand des Menschen. Wir ruinieren ihn, indem wir es zulassen, dass Gedanken aufkommen. Hört auf zu denken und der Geist ist still. So einfach ist das.


F.: Ich versuche, den Fluss der Gedanken zu stoppen. Ich habe dabei keinen Erfolg.
B.: Warum? Weil du versuchst, den Gedanken mit Gedanken zu begegnen. Der Gedanke “Ich darf keinen Gedanken denken” kann den Gedanken nicht töten. Nur Stille kann den Gedanken auslöschen. 


F.: Wie kann ich diese Stille kultivieren?
B.: Indem man die Vrittis [Tendenzen] des Verstandes aufgibt.

 
F.: Wie kann man das tun?
B.: “Wer bin ich?” ist der Weg.


F.: Ist Anstrengung ein Hindernis für die Verwirklichung des Selbst?
B.: Ja.


F.: Warum ermahnt uns Bhagavan dann, uns anzustrengen, um 
das Selbst zu verwirklichen?
B.: Anstrengung ist solange notwendig, bis sie unnötig geworden ist.


F.: Ich verstehe nicht, was Bhagavan mir sagen will.
B.: Solange der Verstand nicht in den ursprünglichen Zustand des reinen subjektiven Bewusstseins zurückgegangen ist, dem die Möglichkeit von Anstrengung und Willensanstrengung völlig fremd ist, ist Anstrengung notwendig, um diesen natürlichen Zustand zu erreichen. Sobald dieser Zustand erreicht ist, führt weitere Anstrengung zurück in den Sumpf des “Tuns”. Bemühe dich also solange, bis es unmöglich geworden ist, dich weiter anzustrengen, das heißt, bis der Zustand sashwatamanonivritti [ewige Verinnerlichung] erreicht ist. Dies wird nicht an einem Tag geschehen. Es braucht unermüdliche Praxis über einen längeren Zeitraum.


F.: Aber Bhagavan hat das mit siebenundzwanzig Minuten an Praxis in Madurai erreicht!
B.: Nicht alle werden gleich geboren. Zum Zeitpunkt der Geburt haben einige Menschen einen introvertierteren Verstand als andere [die auch gerade erst geboren sind].


F.: Warum diese Ungleichheit?
B.: Es ist unnötig und sinnlos, sich damit zu beschäftigen. Arbeite mit dem, was du hast.

Edited by John David Oct 2021

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