Aham Sphurana

Eine Auswahl von Lehren

aus

Sri Gajapathi Aiyyers unveröffentlichem 1936 Tagebuch

Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Ein Hund und ein Affe

Ein rundlicher, Telegu sprechender Herr betrat die Halle, warf sich vor Bhagavan nieder, stellte sich mit dem Gesicht zum Sofa, zog ein paar gefaltete Blätter aus seiner Tasche und begann sofort laut vorzulesen: 

F: Stimmt Bhagavan mit der Theorie überein, dass die derzeitigen Bewohner der nördlichen Region Indiens Invasoren sind, die als Arier bekannt sind? Ist es wahr, dass sie die schwächeren Völker unter Indiens einheimischen Rassen versklavten und diejenigen, die sie nicht erfolgreich versklaven konnten, in den Süden vertrieben?

Erklärt eine derartige Hypothese nicht warum die drawidischen Völker dunkle Hautfarbe haben, während die, die in den nördlichen Gebieten wohnen die Tedenz haben, heller zu sein? Woher kamen die arischen Invasoren, und was ist ihr wahres Heimatland oder ihr Mutterland? Liegt es in Europa?

Sogar Sri Krishna in der Bhagavad Gita nennt Arjuna´s Verhalten unarisch, wenn letzterer von Emotionen aus  brüderlicher Zuneigung übermannt, seine Waffen niederlegt  und sich zu kämpfen weigert, wobei er  seine rechtmäßigen Aufgaben als Kshatriya übergeht. 

Die Deutschen haben Gesetze verabschiedet, die es ihrem Volk verbieten, Juden zu heiraten, um, wie sie selbst sagen “eine Schwächung und Verschmutzung des reinen arischen Blutes zu verhindern”.

Deshalb stellt sich die Frage, wer sind die Arier? Sind es die alten arischen Priester Indiens, die verantwortlich waren für das Verfassen der Veden? Sind die heutigen Bramanen die untergegangenen Priester?
B.: Warum sollte man darauf bestehen, in Sri Krishnas Worte einen rassistischen Hintergrund hineinzulesen, der jede andere Interpretation ausschließt? Anaryajushtam [unarisch] könnte zum Beispiel genauso gut “unwürdig, von einer kultivierten Person praktiziert zu werden” bedeuten.

Der Mann schien weiter argumentieren zu wollen, aber bevor er noch etwas sagen konnte, kam eine zwingende? Ablenkung: ein Paar rasende Tiere stürmten in den Saal und machten, so könnte man meinen, genug Lärm, um das Dach zum Beben zu bringen: ein Hund jagte wütend einen Affen. Der Affe, der spürte, dass Bhagavan die einzige Sicherheit für ihn war, schoss geradewegs auf sein Sofa zu, sprang auf den Schoß des Meisters und kletterte von dort auf seine Schultern. Der Diener eilte mit einem Stock vor, der in der Halle aufbewahrt wurde, um Affen damit zu bedrohen (vertreiben): Bhagavan würde nicht zulassen, dass einer tatsächlich geschlagen würde.

Bhagavan stoppte den Diener mit einer deutlichen Handbewegung, und da saß der Affe schon auf dem Meister und zog eine fröhliche Grimasse und grinste und grummelte nach Herzenslust über den Hund, der unten das glanzvolle Bild anbellte. Der Meister streichelte dem Tier immer wieder mitfühlend den Schwanz. Mit traurig hängendem Schwanz entfernte sich der Hund schließlich, nachdem er seine Energie mit zahllosem erfolglosem Bellen verbraucht hatte. Der Affe warf einen triumphierenden Blick in den Saal und verließ ihn majestätisch durch das Fenster.
B.: Diese einfachen Geschöpfe sind in der Tat gesegneter als der Mensch, dessen Kopf mit Sorgen gefüllt ist wie: “Was ist der Ursprung meiner Rasse? Welche der heute überlebenden abweichenden Gattungen ist ihr bester Vertreter?”
Ihre Sorgen sind glücklicherweise rudimentär und beschränken sich auf die Grundbedürfnisse des Lebensunterhalts. Sie häufen keinen Reichtum an und machen sich dann Sorgen: “Was wird mit all dem nach mir geschehen? Wird es jemand eines Tages wegtragen?”. Sie sind zufrieden, wenn sie etwas zu essen und Wasser zu trinken haben. Sie leben so, wie Gott es für sie vorgesehen hat: ohne Anhäufung, sei es von Erinnerungen oder von weltlichem Besitz.


F.: Aber nur der Mensch ist mit der Fähigkeit ausgestattet,          Brahmajnana zu erlangen.
B.: Das ist deine Meinung.

 
F.: Kann denn ein Tier das Selbst verwirklichen?
B.: Das weiß man nicht.


Bhagavan schaute nun Chadwick – der in der Halle (anwesend) war – direkt in die Augen und sagte:
Als du das erste Mal hierher kamst, hast du [mich] gefragt, wie nützlich die Hilfe des Gurus ist, um  Verwirklichung zu erreichen. Man sagte dir, dass sie die Giftzähne des Samsara unwirksam macht. Verstehst du nun?

 
Chadwick schaute nur verständnislos und leer.
B.: Während der Affe darauf saß [dabei deutete er auf seinen Körper], war er für den Hund unerreichbar. So sehr er auch heulte, der Hund konnte seine Zähne nicht in das Fleisch des Affen senken. Er musste enttäuscht von dannen ziehen. 

In ähnlicher Weise hat sich jemand, der den Blick der mitfühlenden Gnade des Gurus fest ergriffen (erfahren) hat, unwiderruflich außerhalb der Reichweite von Samsara gestellt. Samasara kann ihn dann nur noch bedrohlich anbellen, beißen kann er (es/sie) nicht mehr. Dafür ist bedingungslose Hingabe notwendig.


Chadwick: Woran erkenne ich, ob meine Hingabe vollständig ist oder nicht?
B.: Fragen oder Zweifel, wie diese hier, tauchen nicht mehr auf. Es gibt keine Wünsche oder Sorgen mehr.

Edited by John David Oct 2021

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