Aham Sphurana

Eine Auswahl von Lehren

aus

Sri Gajapathi Aiyyers unveröffentlichem 1936 Tagebuch

Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Ich habe einen Körper

Pages 401-402

F.: Es ist also der Gedanke “Ich habe einen Körper”, der dafür verantwortlich ist, den falschen Eindruck zu erwecken, dass ich einen Körper habe, während ich in Wahrheit keinen habe. Liege ich richtig?  
B.:  Ja.                                         


F.: In diesem Fall sollte der Körper, wenn ich denke: ‘Ich habe keinen Körper.’, verschwinden, aber er verschwindet nicht. Warum ist das so?
B.: Intensives Nachdenken über das Verschwinden des Körpers lässt ihn verschwinden; aber das Aneignen solcher wertlosen Siddhis  [Übernatürliche Fähigkeiten] ist nicht unser Ziel. Dir wurde gesagt, die Vorstellung “Ich habe einen Körper” zu beseitigen und still zu bleiben. Stattdessen beseitigst du diese Vorstellung und stellst an ihre Stelle die Vorstellung “Ich habe keinen Körper”. Jnana [Wissen] ist das Verschwinden aller Vorstellungen. “Alle Vorstellungen müssen verschwinden.” ist auch eine Vorstellung. Vermeide auch diese Vorstellung und bleibe still.


F.: Wie wird der Alltag ohne Gedanken weitergehen?
B.: Um ein Vielfaches besser, als er jetzt verläuft.              

F.: Können wir uns bewegen oder sprechen, ohne nachzudenken?
B.: Sobald das Ego im Schmelztiegel von Jnana verbrannt ist, werden alle Handlungen automatisch.                                   

F.: Das ist der Standpunkt des Jnani [ein spirituell Wissender]. Kann es auch für einen Ajnani [Unwissender] gelten?
B.: Egal ob Jnanis oder Ajnanis. Bleibe still und sehe, ob die Handlungen deines Körpers nicht spontan von einer unergründlichen Höheren Macht geführt werden.        


F.: Kann man der Höheren Macht vertrauen, dass sie immer in Übereinstimmung mit meinen Interessen handelt?  
 
B.: Sie tut immer das Richtige. Was sie tut, kann mit deiner Weltanschauung und deinem Verständnis oder deinen Vorlieben, wie Dinge verlaufen oder sich Ereignisse entfalten sollten, übereinstimmen oder nicht. Ihre Handlungen mögen in deinen Augen sogar unklug erscheinen. Was du tun solltest, ist, das Auge der Wahrnehmung oder des Urteils ein für alle Mal zu schließen und das Auge der Weisheit ein für alle Mal zu öffnen. Lass den Meister sich um den Körper kümmern und die günstigen oder ungünstigen Umstände, denen er sich stellen soll. Du bleibst dauerhaft im Herzen versunken und verlierst dich dort. Dann spielt es keine Rolle, ob der Körper im Regen durchnässt oder in der Sonne geröstet oder in den Eingeweiden der Erde begraben ist; du bleibst unberührt, unwiderruflich und unwiederbringlich verloren in höchstem Shanti [Frieden] und kennst nichts anderes als das.


F.: Nur ein Jnani könnte dem Körper gegenüber so gleichgültig sein.

B.: Dann sei ein Jnani.                             


F.: Aber es wird gesagt, dass es die schwierigste aller Errungenschaften ist.

B.: Auf der anderen Seite ist es immer dein natürlicher Zustand.


F.: Wenn das so ist, warum ist mir das dann nicht bewusst?

B.: Weil du denkst, dass du unbewusst bist.                    


F.: Wie kann man dieses Leiden heilen?
B.: Hör auf zu denken.                                    

F.: Wie macht man das?
B.: Jedes Mal, wenn ein Gedanke auftaucht, frage dich: “Wem ist dieser Gedanke gekommen?” und bringe den Verstand dann zurück zu seinem Ursprung, demUrzustand des subjektiven Gewahrseins. Er wird mühelos und willentlich anhalten.

F.: Der Gedanke “Bei wem ist dieser Gedanke entstanden?” ist auch ein Gedanke.
B.: Der Stock, mit dem ein brennender Scheiterhaufen gerührt wird – was ist sein endgültiges Schicksal?

F.: Im Allgemeinen wird er selbst in den Scheiterhaufen geworfen, um zu verbrennen.
B.: Genau.

Editiert von John David Okt 2021

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