Bhagwan Sri Ramana Maharshi reading

Aham Sphurana

Eine Auswahl von Lehren

aus

Sri Gajapathi Aiyyers unveröffentlichem 1936 Tagebuch

Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Day by Day mit einem Jnani

20 Juli 1936

Der Herr aus Kaukasien kam früh am Morgen zurück, um Bhagavan wieder zu testen.

F.: Haben Jnanis keine Sinneswahrnehmungen? Wenn Bhagavan zum Beispiel aus Versehen mit seinem Zeh gegen einen Ziegelstein stößt, hat er dann keine Empfindung?

Die Empfindung ist da, aber nicht der Gedanke Ich fühle diese Empfindung. Der Zustand des Jnani kann nur von ihm selbst richtig erfasst werden. Andere wundern sich eher, machen kompliziert anmutende Worte ohne wirkliche Kenntnis. Von dem Jnani oder Jivanmuktha wird gesagt, dass er wie eine Person ist, die in einem Haus mit weit geöffneten Türen und Fenstern tief schläft.

F.: Ich kann dieses Beispiel nicht verstehen.

B.: Seine Sinne sind vollkommen wach und aufmerksam und doch vollkommentatenlos.

F.: Das scheint paradox.

B.: Seine Sinnesorgane nehmen alles auf; doch gibt es für sie nichts wahrzunehmen, da der Verstand tot ist. Ein neugeborenes Kind sieht und hört recht gut, aber es versteht niemals etwas. Es kennt nur Freude, auch wenn es grausam behandelt wird. Ähnlich ist es mit einem Jnani. Er kennt nichts außer Parabrahman (das Selbst). 

F.: Bhagavan beschreibt uns die Komplexität von verschiedenen philosophischen Texten aus Expertensicht. Wie ist das ohne den Intellekt möglich? Wenn es keinen Verstand mehr gibt, wie kann der Intellekt, der ein Teil von ihm ist, ohne ihn überleben?

B.: Es ist wie Schattentheater. Jemand anderes zieht an den Fäden. Es gibt dieses sogenannte «Ich» nicht, das irgendwo irgendeine Rolle spielen muss, das sich auf die Taten des Jnanis bezieht. 

F.: Wer ist dieser mysteriöse «jemand andere»?

B.: Manche nennen ihn Gott, manche Beliebigkeit, manche nennen ihn Schicksal und manche Kausalität. Der, der Ereignisse, Taten und Umstände sieht, erforscht die Gründe dafür. Der Sehende sieht sich selbst nicht, da seine eigene scheinbar getrennte Existenz ein unerklärliches Mysterium ist. Doch, wenn man die Eingangsfrage, aus was das Selbst besteht, ignoriert, wandert er umher und hinterfragt alles andere.   
          Dieses, um seine Neugier auf alle irrwitzigen Theorien, die von Philosophen und Vedanta Pandits (Gelehrten) erdacht werden, zu stillen. Die Wahrheit ist, dass es kein Ding zu sehen gibt, weil es keinen gibt, der irgendetwas sehen könnte. Die Erklärung von Gott, Vorsehung etc. der das Weltgeschehen lenkt, ist spiritueller Rat auf Kindergarten-Level. Der Jnani, der nichts sieht, hat keine Fragen; er kennt die Wahrheit; dass nichts jemals kreiert ist.   

F.: Aber ich sehe eine feste Welt um mich herum! Was meint Bhagavan, wenn er sagt, sie ist nicht da? Bhagavan sitzt zum Beispiel auf dem Sofa. Ist das Sofa für seine Augen unsichtbar? Auf was sitzt er denn? Schwebt er in der Luft?!

B.: Muss während des Schlafens irgendeine Art von Sehen geschehen?

F.: Lass uns erst die Diskussion über den erwachten Zustand beenden.

B.: Du sagst, dass dieser Körper auf dem Sofa sitzt. Aber das Sofa, dieser Körper, diese Halle, der Hügel dort drüben und alles andere wird als existent vermutet. Demnach ist es überhaupt keine Existenz, sondern eine Annahme, wie die Frage obNikolaus (die mystifizierte Figur von St. Nikolaus, bekannt in der kollektivenVorstellung der westlichen Welt) eine goldene Brille trägt.“
      Ich möchte gern mal wissen, wie viele Dioptrien die Brillengläser haben? Gibt es eine Antwort auf die Frage? Du kannst höchstens sagen:Da es in Wirklichkeit keinen Nikolaus gibt, kommt diese Frage nicht auf. Die Existenz ist nicht sichtbar. Es ist das Sein, was du immer bist. Denke nicht darüber nach, aber SEI es: das ist der Weg, Verwirklichung zu erlangen.

F.: Wie soll man das Selbst sein? Das ist die Frage. Das Selbst scheint mir wie eine Möhre, die vor dem dummen Esel baumelt – ganz nah, aber unerreichbar.

B.: Du (als das persönliche Selbst) sitzt auf dem (wahren) Selbst. Steh auf und geh weg. Das reicht 

F.: Wie soll ich das machen?

B.: Höre auf, an die Existenz des persönlichen Selbst zu glauben. Dann entfaltet sich die Magie von selbst.     

F.: Soll ich das so verstehen, dass mein persönliches Selbst unwirklich und nicht existent ist? Dies ist das Selbst, das ich immer gekannt habe. Jetzt wird mir gesagt, dass es nicht existiert. Ich habe das unpersönliche Absolute, das Brahman, nie gekannt oder gesehen. Dennoch wird von mir erwartet zu glauben, dass ich es bin und dass nur das allein in Wahrheit existiert.

B.: Du musst an gar nichts glauben. Wenn du alle Vorstellung aufgeben sollst, wirst du fragen, welchen Glauben du anstelle dessen haben sollst. Ich habe dir gesagt: „Höre auf, an die Existenz des persönlichen Selbst zu glauben. Du legst es falsch aus, wenn das bedeutet, glaube an die Nicht-Existenz des persönlichen Selbst.

Editiert von John David Okt 2021

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