Aham Sphurana

Eine Auswahl von Lehren

aus

Sri Gajapathi Aiyyers unveröffentlichem 1936 Tagebuch

Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Der Rachen des Tigers

Seiten 420-421

F.: Ist es jemandem gelungen, die Bewunderung von Maharshi selbst zu gewinnen?
B.: Oh! Ja.


F.: Wem?                                                           
B.: Dir.


F.: (Gesicht erhellt sich hochmütig mit pompöser Freude, schafft es aber, bescheiden zu sprechen) Wie kann das sein? Ich bin eine eindrucksvoll wertlose Kreatur. Selbst nach Jahren, in denen ich wiederholt den heiligen Boden von Tiruvannamalai besucht habe, bleibe ich eine unerleuchtete Person.
B.: Das ist es.

                                                     
F.: Das verstehe ich nicht. Ich bin zu nichts gut. Was gibt es für den großen Maharshi an mir zu bewundern? 
B.: Die Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen deines Egos. Diese schwache Kreatur kam hierher und wurde im Handumdrehen besiegt und vernichtet. Du hast es geschafft, so lange gegen die unendlich mächtige Kraft des Arunachala auszuharren. Dennoch kämpfst du weiter. Du scheinst unermüdlich zu sein. Wie stark du bist, vor allem im Vergleich zu diesem Feigling, der kampflos aufgab, sobald er nur den Namen des Berges hörte! Durchaus bewundernswert. Welche ungeheure Kraft und Ausdauer deine Person auszeichnen! Selbst die Götter beneiden dich darum… [lacht]


F.: [niedergeschlagen] Oh! Ich verstehe; Maharshi macht sich über mich lustig…
B.: [lacht] Oh! nein. Es ist kein leichtes Unterfangen, in diesem Arulpoerattum zu verharren. Unermüdlich Krieg gegen Lord Arunachala selbst zu führen, ist kein Spaß. Er ist darauf aus, deine Seele zu verschlingen, aber du hast es geschafft, so lange gegen ihn durchzuhalten und widerstehst ihm immer noch energisch.

Ich habe kapituliert oder bin besiegt worden, als ich den Namen hörte. Meine Schwäche ist sprichwörtlich. Aber sieh deine Stärke! Vom Himmel aus beobachten dich die Devas staunend und denken: ‘Hier ist ein Mann, der die Macht des Herrn selbst herauszufordern scheint!’…


F.: Letztendlich werde ich natürlich verlieren? 
B.: Ja, das ist in deinem Fall nur eine Frage der Zeit. Wenn die Kiefer des Tigers einmal den Kopf der Ziege umklammert haben, gibt es für die Ziege keine Rückkehr mehr ins Leben. Manche Ziegen erkennen klugerweise die Sinnlosigkeit des Kampfes gegen einen so unermesslich mächtigen Feind und hören nach ein oder zwei vergeblichen Versuchen, sich zu befreien, schnell auf zu kämpfen; dann dreht der Tiger sofort seine Kiefer so, dass das  Genick des Tieres bricht und seine Qualen ein schnelles Ende finden.  

Andere Ziegen kämpfen weiter, bis der Zeitpunkt erreicht ist, an dem der Blutverlust schließlich zur Bewusstlosigkeit führt. Auch in diesen Fällen liegt es in der Macht des Tigers, dem Leiden der Ziege ein schnelles Ende zu bereiten, aber da die Ziege noch eine Weile spielen will, stört ihn der Spaß auch nicht. Schließlich scheint die Ziege ihr eigenes Leid nicht zu stören; sie genießt es vielleicht sogar; warum sollte er, der Tiger, sich daran stören?

Vielleicht ist es der letzte lang gehegte Wunsch der Ziege, ein Entkommen zu schauspielern. Warum sollte man ihn dem armen todgeweihten Geschöpf verwehren? Welcher Typus Ziege es auch sein mag, sobald der Kopf im Maul des Tigers steckt, ist ihr Schicksal besiegelt. Manche brauchen länger zum Sterben als andere; das ist [offensichtlich] bedeutungslos, denn das Ende ist für alle gefangenen Ziegen dasselbe: die Vernichtung. Zugegeben, dieser Tiger ist bei der Auswahl seiner Beute sehr wählerisch, aber wenn er einmal ausgewählt hat, ist das der sichere Beginn des unvermeidlichen Endes…


F.: Ich finde das Gleichnis faszinierend. In den Fängen des Tigers zu sterben bedeutet Verwirklichung! Liege ich da richtig?! 
B.: Ja.


F.: Die Ziege ist das Ego. Habe ich recht?
B.: Ja.


F.: Der Tiger ist der Blick des Gurus, wie in Bhagavans Nan Yar erwähnt? Liege ich richtig?
 
B.: Was jetzt erläutert wurde, war die spezifische Erlösungskraft des Arunachala.


F.: Ich möchte als Beute gekennzeichnet werden. 
B.: Komm so oft du kannst zu diesem Berg. Das ist genug.

Editiert von John David Okt 2021

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