Aham Sphurana

Eine Auswahl von Lehren

aus

Sri Gajapathi Aiyyers unveröffentlichem 1936 Tagebuch

Bhagavan Sri Ramana Maharshi

Das Schicksal

F: Stimmt es, dass Bhagavan gesagt hat, dass ein Mensch, der dazu bestimmt ist, das Selbst nicht zu verwirklichen, das Selbst nicht verwirklichen wird, ganz gleich, welche Art von Hilfe oder Unterstützung – bereit, von ihm unmittelbar zum Einsatz gebracht zu werden – ihm angeboten wird oder zur Verfügung steht? Und dass andererseits ein Mensch, der dazu bestimmt ist, das Selbst zu verwirklichen, das Selbst verwirklichen wird, ganz gleich, welche Art von Fessel oder Hindernis ihm in den Weg gelegt oder unweigerlich aufgezwungen wird?
B: Diese Aussage ist richtig.


F: Was nützt es dann, sich zu bemühen, das Selbst zu verwirklichen?
B: Was gibt dir das luxuriöse Recht, zu glauben, dass du das Selbst nicht verwirklichen wirst?

 

F: Nur der banale Glaube, dass Unwahrscheinliches wahrscheinlich nicht geschehen wird.
B: Andererseits geschieht es immer wieder.


F: Wenn
Atman bereits beschlossen hat, mir nicht zu erlauben, das Selbst zu verwirklichen, ungeachtet meiner besten und aufrichtigen Bemühungen in dieser Richtung, welchen Sinn hat es dann, dass ich überhaupt Anstrengungen unternehme, das Selbst zu verwirklichen
B: Ist Atman gekommen und hat dir gesagt, dass er diese Entscheidung getroffen hat? Es ist dein eigenes Ego, das auf gefährliche Weise solche sinnlosen Nicht-Themen formuliert und dann deinen Verstand damit bombardiert, so dass du abgelenkt und davon abgehalten wirst, Anstrengungen zu unternehmen, das Selbst zu verwirklichen.
          Um sich selbst vor der Zerstörung zu bewahren, mag das Ego alle möglichen Ausreden erfinden, um dich von Abhyasa fernzuhalten. Glaube diesen trügerischen Ideen, die das Ego ausgeheckt hat, nicht! Fahre unaufhörlich mit Ausdauer und Hartnäckigkeit in deinen Bemühungen fort, dich zu verwirklichen, und eines Tages wird das Selbst sich selbst offenbaren.
          Lasse dich niemals durch das Gefühl entmutigen, keine Fortschritte zu machen. Das Selbst – obwohl hier und jetzt – kann nicht über Nacht verwirklicht werden. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.


F: Ich habe viele Probleme – im Büro und zu Hause. Sie erlauben es mir nicht, mich auf die Suche nach der Verwirklichung des Selbst zu konzentrieren.
B: Die Wahrnehmung des Problems ist das einzige Problem. Da du weiter über das Problem nachdenkst, wird das Problem immer größer und größer. Schließlich wird es unbeherrschbar und treibt dich in den Wahnsinn. Und warum? Weil du ihm ständig Aufmerksamkeit schenkst, weil du dir immer wieder Gedanken darüber machst.


F: Ein Problem zu negieren ist kein Weg, es zu lösen.
B: Darüber nachzudenken ebensowenig.


F: Was Bhagavan sagt, ergibt für mich keinen Sinn. Wenn ein Problem gelöst werden muss, muss eine Lösung gefunden werden. Wie kann ich ohne Nachdenken, ohne das Problem zu analysieren, eine Lösung dafür finden?’
B: Studiere das Problem sorgfältig, zusammen mit den dazugehörigen Umständen. Hast du das getan, halte den Verstand im Leuchten des Herzens still. Die Lösung wird augenblicklich aus dem Verstand hervorspringen oder darin aufleuchten – unaufgefordert, ganz aus sich selbst heraus.

 
F: Meint Bhagavan das ernst?
B: Versuch es und sieh selbst! Ein solches Phänomen kann nicht durch den Gebrauch theoretischer Parameter erklärt oder verstanden werden – es muss erfahren werden.


F: Funktioniert dieser – Entschuldigung! – verrückte Ansatz zur Lösung von Problemen bei allen Menschen und allen Problemen?
B: Er funktioniert, ganz gleich, um welches Problem es sich handelt. Aber es braucht einen Verstand, der völlig in das Herz eingetaucht ist und der überhaupt keine Neigung verspürt, das Herz zu verlassen.

 
F: Dann funktioniert es für den Durchschnittsmenschen womöglich nicht.
B: Ihr ganzes Leben lang wandern die Menschen herum und versuchen, etwas „zu tun“. Nur wer die Vergeblichkeit des „Tuns“ erkannt hat, erkennt den Wert des „Nicht-Tuns“; bis dahin hält er das „Tun“ für tugendhaft und rechtschaffend und das „Nicht-Tun“ für träge und unnütz. Es wäre ein Irrtum anzunehmen, dass „Nicht-Tun“ dasselbe ist wie Hingabe an Luxus und Vergnügen.  
  
         Es ist ein Unterschied, ob man etwas nicht tut oder ob es niemanden gibt, der etwas tut. Für die „Befreite Seele“ ist Anstrengung ausgeschlossen, ebenso wie Willenskraft, auch wenn sie ihren Körper sieht, der sich bewegt und Dinge tut.

 
F: Einfach untätig zu bleiben, ist das die Lösung für die Frage der Verwirklichung? 
B: Untätig zu bleiben ist nicht dasselbe, wie den Körper faulenzen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Der Verstand muss untätig bleiben, ohne zu denken und ohne einzuschlafen, aber weder Anstrengung noch Wille dürfen ihn dabei unterstützen, in diesem Zustand zu bleiben. Das allein bedeutet „Verweilen in Untätigkeit“ [Summayitutthal].


F: Ich kann mir einen solchen Zustand nicht einmal vorstellen.
B: Der Zustand des Summayirutthal kann nicht vom Verstand erdacht, vorgestellt oder visualisiert werden. Alles, was möglich ist, ist in ihm zu SEIN. Durch Anstrengung oder Verfolgung von Wünschen kann man ihn nicht erreichen; vielmehr offenbart die völlige Abwesenheit von Anstrengung und Wollen, dass man nie verschieden von ihm war. Unsere ganze Anstrengung besteht nur darin, vollkommen mühelos zu werden.


F: Es wird gesagt, dass selbstlose, platonische Liebe zu den Mitmenschen zur Befreiung aus
Samsara führt. Ist das wahr?
B: Handlungen, die ausgeführt werden, ohne den Gedanken zu hegen, der Handelnde zu sein, helfen, die Reinigung des Verstandes zu bewirken.

Editiert von John David Oct 2021

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